„Der Turm“ von Uwe Tellkamp: Romananalyse (2. Teil: Die Handlungsstränge von Meno Rohde und Richard Hoffmann)

Dies ist der zweite Teil meiner Romananalyse von Uwe Tellkamps Roman „Der Turm“. Den ersten Teil könnt ihr hier nachlesen.

Der zweite Handlungsstrang befasst sich mit Meno Rohde, Christians Onkel und Richards Schwager. Er entstammt einer kommunistischen Familie und besuchte während der NS-Zeit eine Schule in Moskau. Er arbeitet als Lektor, da ihm seine eigentliche Wunschkarriere als Wissenschaftler aufgrund seiner Nähe zur evangelischen Kirche nicht möglich war. Dieser Handlungsstrang zeigt vor allem Menos inneren Zwist, da er sich einerseits an die Vorgaben des Systems was Literatur zu sein hat, halten muss, andererseits sich aber auch mit den Autoren, insbesondere mit der jungen Judith Schevola, verbunden fühlt. Er ist auch eine Art „Wanderer zwischen den Welten“ da er als Lektor Zugang zum Bezirk „Ostrom“ hat, wo die Nomenklatura residiert. Meno Rohde ist durch seine Beschäftigung mit der Literatur ein äußerst besonnener Mensch und erkennt, dass eine Flucht in eine Nischengesellschaft wie es die Bewohner der Turmstraße leben, keine Lösung ist. Dennoch bekennt er während des ganzen Handlungsverlaufs keine Farbe, weder zur klaren Resistenz, wie Judith Schevola, noch zu den Mitläufern wie den Autoren Eschloraque oder Paul Schade. Er gehört trotz seiner äußeren Neutralität auch zu jenen, die bei der Demonstration am 3. Oktober 1989 zusammengeschlagen werden.

Der dritte Hauptcharakter ist dann schließlich Richard Hoffmann. Zu Beginn der Handlung ein erfolgreicher Chirurg zeigt sein Handlungsstrang die Erpressung durch die Stasi besonders stark auf. Erpressbar macht ihn vor allem die Denunziation seines Freundes Manfred Weniger vor Jahrzehnten sowie seine Affäre mit der Chefsekretärin Josta Fischer, mit der er sogar schon ein kleines Mädchen namens Lucie hat. Durch eine weitere Affäre mit Christians Jugendliebe Reina, verschlechtert sich auch sein Verhältnis zu seinem Sohn. Richards Leben wird durch diese persönlichen Fehltritte aber vor allem auch durch die stetig wachsende Zermürbung seitens des Staates, der ihm selbst seine Kapitalanlage, einen Oldtimer, zerstört, weil er ihnen nichts über die geplante Flucht eines mit ihm befreundeten Ingenieurs und dessen Frau erzählt hatte, nach und nach zerstört. Dies führt soweit, dass er gegen Ende sogar psychisch krank wird und stationär behandelt werden muss. Sein Handlungsstrang endet damit, dass ihm seine Frau Anne seine Fehler verzeiht und er sich im Oktober 1989 den Protestierenden anschließt.